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Young Explorer auf großer Abenteuertour

Mike Horn (links im Bild) lud Ansgar Fellendorf und Ricarda Schenker auf die „Pangaea“ ein, um mit ihnen in der kanadischen Arktis die Natur in ihrer ursprüng­lichen Form zu entdecken.

Abenteuerlust, Umweltbewusstsein und Engagement! Danach fragt der weltbekannte südafrikanische Abenteurer Mike Horn, wenn sich Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren aus aller Welt für eine der insgesamt zwölf Pangaea-Expeditionen bewerben. Bewusst hat er den Urkontinent als Namensgeber gewählt, denn er lädt dazu ein, die Natur in ihrer ursprünglichen Form zu entdecken!

Mit dem Motto „Explore-Learn-Act“ führt Mike Horn aber nicht nur in die abgelegensten Winkel unseres Planeten (bereits Expeditionen in die Antarktis, Mongolei und Kamchatka), sondern klärt auch über Umweltprobleme auf und überträgt der Jugend Verantwortung! Handeln! Die so genannten Young Explorer (YEP) sollen nach den bleibenden Erlebnissen der Expedition in ihrem Alltag Vorbilder sein und bestenfalls eigene Projekte initiieren. Dieser Vertrauensvorschuss in die Energie der Jugend macht das Projekt so einzigartig. Als Expeditionsteilnehmer wird einem also kostenfrei ein einmaliges Abenteuer und interessante Bekanntschaften geboten, als Gegenleistung erhofft sich Horn Einsatz für unseren Planeten. Er hat erkannt: Man muss in die Jugend investieren und ihr die Schönheit der unberührten Natur zeigen!

Bisher von YEPs vollzogene Projekte inkludieren u.a. Programme zum Schutz von Meeresschildkröten, etliche Aufräumaktionen und das Planen eines energieneutralen Hauses. Man muss sich aber bei der Bewerbung zu nichts verpflichten, nur die Begeisterung für das Abenteuer und die Umwelt aufbringen. Aber auch wenn es nicht persönlich für eine Expedition gereicht hat, gibt es in der Pangaea-Gemeinde viele aufregende Foren über umweltpolitische Themen und andere Projekte,
wie z.B. ein Schulbau in Serbien, an denen man mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt teilnehmen kann!

Wir hatten das Glück nach der Online-Bewerbung und dem 10-tägigen Auswahlcamp in der Schweiz zu den acht YEPs der Nunavut-Expedition zu gehören. Drei Wochen verbrachten wir in der kanadischen Arktis rund um Baffin Island.
Nach einer langen Anreise bis nach Clyde River (70°N) setzten wir die Segel der Yacht Pangaea. Von Anfang an lagen Aufregung und Abenteuer in der Luft. Schon bald hallte es über Bord: „Eisbär! Eisbär im Wasser!“ Wir konnten den Mund vor Staunen nicht schließen, als wir 5 Meter von dem majestätischsten Bewohner der Arktis entfernt waren – eine Begegnung, die an Land für eine der beiden Seiten meist tödlich verläuft.

Auf dem offenen Arktischen Ozean begrüßten uns dann dutzende Eisberge. Diese weißen Kolosse brechen von Gletschern in Grönland ab und werden von Strömungen nach Süden getrieben, um dort zu „sterben“. Expeditionsleiter Mike Horn beschloss spontan, dass wir auf einen Eisberg springen! Zuerst war uns etwas mulmig zumute auf gefrorenem Wasser, auf Wasser zu stehen. Doch als uns das Schiff auf der schwimmenden Plattform zurückließ und wir nichts als Ozean um uns sahen, sogen wir den Moment von allen Sorgen befreit ein! Auch die schiere Größe der Eisberge imponierte uns, immerhin befindet sich nur ein Zehntel über der Wasseroberfläche.

Vom Sam-Fjord an der Ostküste aus begannen wir eine dreitägige Gletscherüberquerung. Um auf die gewaltige Gletscherzunge zu gelangen, mussten wir uns mühsam über die wackeligen Steine der Endmoräne schuften. Teils war es frustrierend, andauernd den Halt unter den Füßen zu verlieren. Aber wir hatten ja keinen Ferienurlaub gebucht. Um all das Material wie Zelte, Campingkocher und Steigeisen zu transportieren, zogen wir Jugendlichen einen über 40 kg schweren Schlitten über das Eis. An den steilen Passagen zog er ständig talwärts. Trotz der Kälte kamen wir ins Keuchen. Schweißtriefend oben angekommen, wurden wir mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt! Eine solche weite, vollständig unberührte Landschaft aus Gletschern, Fjorden und Bergen hatte vorher noch nie jemand von uns gesehen! Besonders das Wissen, dass sich weit und breit keine weitere Menschenseele befindet, war unbeschreiblich! Wir schliefen in warmen Schlafsäcken in Zelten, doch das Eis unter uns und die -10°C Außentemperatur ließen uns trotzdem schlottern.
Der Abstieg stellte sich als absoluter Kraftakt für die Oberschenkelmuskulatur heraus. Der Schlitten zerrte, und die Muskeln verkrampften sich schließlich ganz, die ständige Belastung war zu viel.

Nun wartete, wovor wir alle großen Respekt hatten: Das Klettern an der Steilwand! An zwei Seilen zogen wir uns knapp 200 m die senkrechte Felswand hinauf. Wir lernten, dass, wenn man in der Luft herumhängt, vollständiges Vertrauen in die Ausrüstung notwendig ist. Den absoluten Höhepunkt stellte die Nacht direkt in der Felswand dar. Wir schliefen auf klappbaren Liegen, die man im rechten Winkel an der Wand befestigt. Das Gefühl, unter sich nur Luft zu wissen, ist unglaublich aufregend.
Schließlich lernten wir von der Münchner Professorin Dr. Stolz über das besondere Ökosystem der Arktis. Dort erwärmt sich das Klima zehn Mal schneller als in mittleren Breiten!

Eine wichtige Rolle spielt der Permafrostboden, in dem große Mengen an Kohlenstoff und Methangas gespeichert sind. Jeden Sommer taut die obere Schicht auf, dort gedeihen dann allerlei Flechten, Moose und sogar Blumen. Aber im Zuge des Klimawandels taut der Boden immer mehr und ungewöhnlich schnell auf und schädliche Stoffe gelangen in die Atmosphäre. Wir nahmen Messungen der Schichten, Temperatur und Feuchtigkeit vor und entnahmen Bodenproben, um die Veränderungen in dieser fragilen Umgebung zu analysieren.

Zurück in Clyde River tauschten wir uns mit den lokalen Inuit aus. Wir lernten einiges über das Leben im Hohen Norden und, dass traditionelle Werte wie die gemeinsame Jagd und die Familie hier eine große Rolle spielen. Anschließend segelten wir in Richtung Süden, dabei wurden wir Zeuge eines Naturspektakels, das wir nie vergessen werden! Nordpolarlichter tanzten am klaren Sternenhimmel und es schien fast, als wollten die tiefgrünen Schleier Geschichten erzählen. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus und gingen erst in das warme Boot, als der Nacken vom Hinaufstarren weh tat!
Während der 21 Tage in der Arktis durften wir nicht nur unglaublich viel über diese besondere Region und ihre Bewohner erfahren, sondern schlossen auch innige Freundschaften und lernten uns selbst besser kennen.


Text: Ansgar Fellendorf und Ricarda Schenker
Fotos: © Mike Horn Copyright 2011 | Photograph by Dmitri Sharomov


Mike Horn
Young Explorer
Young Explorer
»Wir schliefen auf klappbaren Liegen, die man im rechten Winkel an der Wand befestigt. Das Gefühl, unter sich nur Luft zu wissen, ist unglaub-lich aufregend.«
Young Explorer
»Während der 21 Tage in der Arktis durften wir nicht nur unglaublich viel über diese besondere Region und ihre Bewohner erfahren, sondern schlossen auch innige Freund-schaften und lernten uns selbst besser kennen.«
 

Ankündigung: Abenteuerlustige und Umweltinteressierte zwischen
15 und 20 Jahren können sich unter
[http://www.mikehorn.com/en/yep/young-explorers-program]
für die nächste Expedition – voraus-sichtlich nach Afrika – bewerben.

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