Masterstudiengang Neurorobotik
Auf einen Blick
Neurorobotiker entwickeln lernfähige Roboter aus Gehirnforschung, KI und Robotik.
3750
€
-
5000
€
Einstiegsgehalt (brutto/Monat)
Branchen:
Tätigkeiten:
Ausbildungsweg
Mindestvorrausetzung
-
Alle Möglichkeiten
-
Bildungsweg
-
Dauer
Abschluss
-
Studienweg
Vorraussetzung
Bachelor
Bildungsweg
Master
Dauer
2
Abschluss
Master of Science
Mit freundlicher Unterstüzung von unserem Partner
Wie wird man Neurorobotiker?
Studierende des Studiengangs Neurorobotik an der TU Chemnitz entwickeln nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns und mit Methoden des maschinellen Lernens lernfähige und flexible Robotersysteme.
Herr Prof. Röhrbein, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Sehr gerne! Ich bin Informatiker und leite an der TU Chemnitz die Professur Neurorobotik. Vor meinem Ruf hierher war ich an vielen anderen Universitäten, habe aber auch in der Wirtschaft gearbeitet und eigene Startups gegründet. Stationen meiner Reise war eine Postdoc Phase am Albert Einstein College of Medicine in New York, die Leitung einer Arbeitsgruppe des europäischen Human Brain Project Flagships an der TU München sowie meine Arbeiten an Forschungszentren von Honda und von Kärcher. Aktuell bin ich außerdem Chefherausgeber von „Frontiers in Neurorobotics“, der einzigen Zeitschrift weltweit, die sich ausschließlich mit Neurorobotik befasst.
Professor Florian Röhrbein leitet an der TU Chemnitz die Professur Neurorobotik und beantwortete unsere Fragen zum gleichnamigen Masterstudiengang.
Was sind die spannendsten Aspekte der Neurorobotik und warum sollten sich Studierende für dieses Fachgebiet interessieren?
Der Arbeitsmarkt könnte für Absolventen der Neurorobotik kaum besser sein. In der Neurorobotik gibt es so viele spannende Aspekte, dass es schwerfällt, nur wenige zu nennen. Es handelt sich ja um eine Verbindung von Gehirnforschung, Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI), einem der ganz großen Themen unserer Zeit. Diese Kombination unterschiedlicher Fächer macht es möglich, neuartige Roboter zu entwickeln, die das menschliche Denken zum Vorbild nehmen, aber wir lernen dadurch auch viel über uns und andere biologische Systeme. Studierende der Neurorobotik lernen Themen der gesamten Bandbreite kennen, die sonst oft überhaupt nicht miteinander verbunden sind. Wir sind auch die erste Universität, die diesen Studiengang überhaupt anbietet.
Wie unterscheidet sich die Neurorobotik von anderen Fachbereichen der Robotik oder der Neurowissenschaften? Welche einzigartigen Möglichkeiten bietet die Neurorobotik den Studierenden?
Der größte Unterschied zur „normalen“ Robotik oder zur reinen Neurowissenschaft ist die Verbindung dieser Fachgebiete. Die Studierenden lernen so nicht nur wesentliche Grundlagen der Robotik wie deren Programmierung und Steuerung oder nur etwas über den Aufbau des menschlichen Gehirns und die theoretische Nutzbarkeit durch künstliche neuronale Netze, sondern sie sind nach dem Studium in der Lage, die beiden Fachbereiche direkt miteinander zu verknüpfen. Im Vergleich zu neurowissenschaftlichen Studiengängen steht die technische Kompetenz im Vordergrund, Systeme bauen und programmieren zu können. Diese können aber auch wesentlich zum Verständnis beitragen, wie unser Gehirn im Zusammenspiel mit unserem Körper funktioniert.
Können Sie einige konkrete Beispiele oder Anwendungen nennen, in denen Neurorobotik bereits erfolgreich eingesetzt wurde? Wie haben diese Fortschritte die Art und Weise verändert, wie wir Robotik und künstliche Intelligenz betrachten?
Es gibt viele Anwendungen, die sich der Neurorobotik zurechnen lassen, an die man nicht sofort denkt. Eines der einfachsten Beispiele für ein neurorobotisches System ist der gängige Staubsauger- oder Mähroboter. Diese nutzen künstliche neuronale Netze, um zu navigieren, denn sie haben eine Karte ihrer Umgebung gelernt, durch die sie sich bewegen. Dabei arbeiten sie vollkommen selbstständig und können kontinuierlich hinzulernen. Diese Roboter verwenden allerdings nur einfache Netze, die eher abstrakt etwas mit der Arbeitsweise des Gehirns zu tun haben. Dies wird sich aber sehr wahrscheinlich in Zukunft ändern, da biologisch realistischere neuronale Netzwerke auf sogenannter neuromorpher Hardware deutlich energieeffizienter sind. Damit haben sie eine längere Arbeitsdauer und ein komplexeres Verhalten wird ermöglicht. Zudem ist die erwünschte Reduktion des Stromverbrauchs durch KI ein sehr aktuelles Thema, auch „Green AI“ genannt.
Der Studiengang vermittelt unter anderem neuste Erkenntnisse aus der KI, der Neurokognition, Sensorik und Robotik.
Wie ist der Lehrplan des Studiengangs Neurorobotik aufgebaut und welche Fähigkeiten und Kenntnisse werden den Studierenden vermittelt? Gibt es auch praktische Projekte oder Forschungsmöglichkeiten, um das erlernte Wissen anzuwenden?
Grundsätzlich ist der Studiengang durch eine Vielzahl von Vorlesungen, Praktika und Seminare in den Gebieten KI, Neurokognition, Sensorik und Robotik gekennzeichnet. In der Neurorobotik erlernen die Studierenden nicht nur den Umgang mit Robotern oder die theoretischen Konzepte hinter der KI, sondern vor allem deren Zusammenspiel. Von Sensorik als Input für die KI, verschiedenen Lernverfahren bis hin zur Nutzung des Outputs, um zum Beispiel Roboter in ihrer Umgebung zu steuern, wird den Studierenden alles gelehrt. Um das Wissen gut verstehen zu können, bietet der Studiengang viele praktische Anwendungen mit der direkten Arbeit am Roboter an. Dies vertieft das Wissen natürlich besser, als wenn nur Formeln und Fakten auswendig gelernt werden. Die Studierenden des Neurorobotik-Masters erlernen daneben auch das Programmieren in verschiedenen modernen Sprachen, wie zum Beispiel Python oder das Robot Operating System (ROS), das auch in der Industrie weit verbreitet ist.
Gibt es besondere Voraussetzungen oder Fähigkeiten, die Studierende mitbringen sollten, um im Studiengang Neurorobotik erfolgreich zu sein?
Das grundsätzliche Interesse an Robotern, aber auch am menschlichen Gehirn und dessen Prozessen, ist eine wichtige Voraussetzung, um in diesem Studiengang erfolgreich zu sein. Neugier vereinfacht das Lernen. Wenn man durch privates Interesse, Hobby oder den vorangegangenen Bachelor bereits mit Sensorik, Robotern oder Programmierung in Kontakt gekommen ist, fällt der Masterstudiengang Neurorobotik leichter, aber auch ohne grundlegendes Vorwissen ist der Studiengang gut zu meistern.
Shake Hands – Prof. Röhrbein demonstriert die direkte Arbeit am Roboter.
Können Sie uns über aktuelle oder bevorstehende Forschungsprojekte oder Entwicklungen in der Neurorobotik berichten, an denen die Studierenden möglicherweise teilnehmen können?
Ja, hier gibt es eine Vielzahl von Projekten in meinem Team, aber auch in Zusammenarbeit mit anderen Professuren und sogar anderen Fakultäten. Das ist im Bereich Neurorobotik insofern einfach, da dieses Gebiet natürlicherweise die Zusammenarbeit über Fächergrenzen hinweg erfordert. Für die Studierenden bedeutet dies, dass sie je nach Vorlieben und Interessen mehr in Richtung Theorie oder Praxis gehen können, also zum Beispiel Weiterentwicklung von neuronalen Lernverfahren oder aber Konstruktion von Robotersystemen. Bei mir laufen gerade Projekte mit Drohnen, mobilen Robotern, Roboterarmen und auch einer humanoiden Hand, aber es gibt auch rein theoretische Projekte, bei denen große neuronale Netze auf unseren schnellen Rechenclustern simuliert werden. Zwei Masterstudenten haben kürzlich eine kleine Robotermaus gebaut, die Hindernissen ausweichen kann. Ein anderer Student ist gerade zu einem Austausch in Tokio, aber über Slack sind wir alle ständig in Kontakt.
Welche Rolle spielt die ethische Dimension in der Neurorobotik? Werden die Studierenden die Möglichkeit haben, sich mit den ethischen Auswirkungen ihrer Forschung oder Arbeit auseinanderzusetzen?
Auf jeden Fall. Für mich ist es ganz wesentlich, Studierende hierfür zu sensibilisieren, denn wir sollten es nicht Gremien, Politikern und anderen Entscheidungsträgern allein überlassen, wo hier Grenzen zu ziehen sind. Das muss jeder für sich selbst überlegen, und es sind ja gerade die Studierenden, die unsere Experten von morgen sind.
Welche beruflichen Ziele verfolgen Ihre Studierenden beispielsweise?
Meine Studierenden verfolgen verschiedenste Ziele. Von Forschung an der Universität bis hin zur klassischen Arbeit in der Wirtschaft ist alles vertreten, und das liegt eben auch daran, dass in ihrer Ausbildung viele KI-Methoden gelehrt werden. Damit ist man für ein Promotionsstudium gerüstet, aber auch für die unzähligen, sehr gut bezahlten Jobs, bei denen es darum geht, KI in Unternehmen einzusetzen, sei es in der Produktion, bei Produkten oder in Prozessen.
Masterstudiengang Neurorobotik. Voraussetzungen: Bachelor in Informatik, Angewandter Informatik oder einem inhaltlich gleichwertigen Studiengang. Regelstudienzeit: 4 Semester. Abschluss: Master of Science (M.Sc.). Weitere Infos unter https://www.tu-chemnitz.de
.
© Initial Werbung & Verlag