Berufewelt 4.0

Herausforderungen & Chancen

Der technische Fortschritt und die zunehmende Digitalisierung verändern die Arbeitswelt enorm. Immer mehr vor allem monotone, schmutzige und kraftzehrende Tätigkeiten werden von Computern und Robotern übernommen. Die Arbeitsplätze, die dadurch unnötig geworden sind, werden durch neue innovative ersetzt. Die Arbeit geht uns also nicht aus.mehr

Berufewelt 4.0

Herausforderungen & Chancen

Situation und Debatte

Der Blick auf unseren Alltag und das allgemeine Umfeld, in dem wir uns bewegen, zeigt, dass wir neusten technischen Errungenschaften offen gegenüberstehen und sie rasch in unser Leben integrieren.
So selbstverständlich wie wir unser Smartphone für Recherchen, zum Musik hören oder zur schnellen Kommunikation nutzen, empfinden wir digitale Preisanzeigen im Supermarkt oder Onlinetickets, die der Kontrolleur direkt am Handy scannt als nichts Außergewöhnliches.
Auch Roboter sind längst keine Zukunftsvision mehr. Sie begrüßen mehrsprachig Hotelgäste an der Rezeption, heben schwere Waren aus den Baumarktregalen oder rollen Wäschecontainer über Krankenhausflure. In unterschiedlichen Branchen helfen sie bereits rund um die Uhr, ohne müde zu werden und entlasten dabei den menschlichen Körper. Selbst wenn Tätigkeiten wegfallen, weil Computer sie effizienter erledigen, entstehen dafür neue. Die gute Nachricht für Berufseinsteiger: Sie sind im digitalen Zeitalter aufgewachsen und bedienen als Digital Natives innovative Software und mobile Geräte ganz selbstverständlich. Die wichtigste Grundkompetenz für die Zukunft bringen sie also mit. Was wir in Zukunft noch erwarten können und was es beim heutigen Berufseinstieg zu bedenken gilt, verraten Experten aus der Arbeitsmarktforschung.


3D-Druckexperte

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Vorentwürfe, Maßstabsmodell oder individuelle Produkte werden für Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt, in der Fahrzeugindustrie und Medizintechnik immer wichtiger. Der Experte für 3  D-Druck erstellt zuvor in einem Programm konstruierte Formen und Bauteile, welche dann zu dem Druckauftrag weiterentwickelt werden.


Arbeitsmarktforschung und Substituierungspotenzial

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit analysierte Routineaufgaben und sich wiederholende Tätigkeiten verschiedenster Berufe und prüfte, ob diese von Robotern oder Programmen übernommen werden können. Daraus ergaben sich Werte, welche man Substituierungsgrade nennt. Prozentual wird somit der Austausch bzw. Ersatz manueller Arbeitskraft durch computergesteuerte Technik angegeben.
Vor allem Abläufe aus Industrie und Verwaltung eignen sich für Automatisierungen und werden deshalb schon heute häufig mit Maschinen unterstützt, um wiederkehrende Produktions- oder Organisationsprozesse effizienter zu gestalten. Hohes Substituierbarkeitspotenzial haben somit Fertigungsberufe (produzierendes wie verarbeitendes Gewerbe), Jobs in der Unternehmensführung und -organisation sowie im IT-Dienstleistungsbereich. Wer die Substituierbarkeit seines Wunschberufs gern prüfen möchte, kann das Tool Job-Futuromat (https://job-futuromat.ard.de/) nutzen. Nach Eingabe der genauen Stellenbezeichnung zeigt das Programm den prozentualen Wert der Aufgaben an, welche eine Maschine übernehmen könnte. Generell lautet die Prognose der Arbeitsmarktforschung Sachsen, dass besonders in sozialen Berufen wie in der Pflege und dem Therapiebereich auch in Zukunft der Faktor Mensch nicht vollständig ersetzt werden kann, da dort vor allem zwischenmenschliche Kommunikation und Empathie gefragt sind.


Data Scientist

newAus einer unübersichtlichen Datenmenge werden wichtige Kennzahlen und Informationen aufbereitet und Maßnahmen zur Verbesserung abgeleitet. Die Formeln, Konzepte und Masken erstellt der Data Scientist selbstständig, um effizienter an die Entscheider zu reporten.


Veränderung der Berufe – Unterstützung durch Technik

Frank Vollgold, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit Sachsen, ist sicher, dass sich Berufsbilder eher entwickeln, statt auszusterben und dass definitiv nicht weniger ausgebildet wird. Berufe wie Telegrafist oder Rohrpostbeamtin beispielsweise sind heute verschwunden, die Übermittlung von Nachrichten ist jedoch nicht überflüssig geworden. Während man vor 200 Jahren die Post noch tagelang mit dem Pferd transportierte, befördern heutige Transporter über Nacht. Noch schneller könnte es zukünftig mit Lieferdrohnen gehen. Experten für „System Dynamics“ und „Dynamic Parcel Distribution“ beschäftigen sich schon heute mit Lieferdrohnen und Paketkoptern und beziehen Daten über Entfernungen, autonome Be- und Entladung, Wetterbedingungen und Höhenunterschiede zwischen Berg und Tal mit ein. Auch andere Berufe wie Drucker und Buchbinder oder Kfz-Mechaniker haben sich weiterentwickelt und wurden neu geordnet in der/die Medientechnologe/in für Druck oder Medientechnologe/in für Druckweiterverarbeitung bzw. Kfz-Mecha­troniker.


Conversion Manager

newDer Conversion Manager jongliert mit Zahlen, mit dem Ziel, aus einem stehengelassenen Warenkorb eine Bestellung zu machen. Hier werden Benutzerfreundlichkeit und Optik eines Onlineshops ausgewertet oder infrage gestellt, um Optimierungspotenzial abzuleiten.


IT Affinität als Grundkompetenz

Der Aufschrei nach IT-Kräften ist zum Teil schon wieder abgeflacht. Nicht in jedem Fall braucht man Programmierer und Entwickler, die Quellcodes anpassen und schreiben können. Branchenübergreifend ist vor allem IT-Affinität als Grundkompetenz unabdingbar, da wir Programme und technische Geräte heute viel häufiger als Hilfsmittel verwenden. Ein Mitarbeiter, der an einer Maschine oder einem Tablet arbeitet, sollte vor allem wissen, welche Prozesse er in Gang setzt. Dass die Zuneigung und Akzeptanz gegenüber Technik in den meisten Fällen ausreicht, verdeutlicht auch die Erstellung einer Webseite. Während es vor einigen Jahren noch mühsam war, die einzelnen HTML-Befehle zu einem umfangreichen Quelltext zusammenzufügen, bevor die fertige Homepage entstand, gibt es heute Masken, die man nutzen und anpassen kann ohne eine hochqualifizierte IT-Kraft zu sein. Diese braucht es eher in Unternehmen, welche ihr Geschäft ausschließlich über Onlineshops abwickeln und dem Käufer unterschiedlichste Funktionalitäten für Produktsuche, Bestellung, Zahlungsmodalitäten und Auftragsverfolgung bereitstellen müssen. Wird die Ware im Nachhinein individuell produziert, wird es noch komplexer, da Daten an eine Fertigung übergeben werden müssen.


Upcycle Designer

newUm Ressourcen zu schonen, werden nachhaltige Produkte immer interessanter. Ein Produktkreateur dieser Art lässt hochwertige neue Güter aus früheren Abfallprodukten entstehen. Dabei achtet er darauf, dass wenig Verpackung bzw. Wegwerfmaterialien entstehen.


Schnelllebigkeit fordert Kompetenzerweiterung

Was gibt es nun für junge Erwachsene und Schulabgänger zu beachten, wenn sie sich über ihren zukünftigen Beruf Gedanken machen?
Junge Menschen sind gut beraten, wenn sie sich bei der Berufswahl weiterhin an ihren Stärken, Talenten und Vorlieben orientieren, statt einem aktuellen Hype oder Prestigevorstellungen zu folgen.
Sollte es mit dem Wunschberuf nicht auf Anhieb klappen, könnte auch ein Alternativberuf – quasi Plan B – greifen. Warum nicht erst in einem anderen Beruf Erfahrungen sammeln und sich später weiterqualifizieren oder den Quereinstieg wagen. „Das Berufsleben ist ein Weg, welcher immer wieder neue Entscheidungen fordert, neue Chancen birgt und persönliche Entwicklung hervorbringt“, so Franziska Schork, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Heute erworbenes Wissen ist durch die Schnelllebigkeit unserer Zeit kurz- oder mittelfristig überholt. Deshalb kommt niemand um lebenslanges Lernen herum.
Der Blick über den Tellerrand und ein waches und offenes Bewusstsein für Neues sind wichtig, um vorhandenes Wissen zu erweitern und fachübergreifend agieren zu können. Den größten Anstieg von heute zu morgen erfährt die soziale Kompetenz. Chefs legen auf Team- und Konfliktfähigkeit sowie Feedbackkultur und gute, zielorientierte Kommunikation wert. Berufstätige müssen sich schnell anpassen, weil sie häufig mit wechselnden Projektmitgliedern, Schulungsteilnehmern oder neuen Geschäftspartnern zu tun haben. Zeitarbeit und unbefristete Verträge verändern das berufliche wie soziale Umfeld ebenfalls zügig. Für bereichsübergreifendes Arbeiten ist komplexes Denken und Handeln sowie Vernetzung von Mensch und Wissen existenziell. Arbeitnehmer müssen einerseits die Fähigkeit entwickeln, schnell auftretende Probleme zu lösen, anderseits lernen, mit Druck und Stress umzugehen, Prioritäten zu setzen und selbstdiszipliniert Beruf und Privates sowie Arbeit und Pause voneinander zu trennen. „Arbeit 4.0 führt für uns alle zu Veränderungen, die wir rechtzeitig erkennen und gestalten müssen“, fasst es Frank Vollgold treffend zusammen. „Aktives Handeln durch Weiterbildung und Qualifizierung hält den Arbeitnehmer auch in Zukunft wettbewerbsfähig.“

Text: Romy Stein
Quelle kleine Texte: 3D-Druckexperte, Coversion Manager & Data Scientist → https://univativjournal.com/berufe-und-qualifikationsprofile-der-zukunft/; Upcycle Designer → https://www.laufbahnvision.ch/blog-laufbahnberatung/die-zukunft-der-berufe-die-berufe-der-zukunft.html

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Erstellt am 8. September 2017 Drucken
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