Berufsfindung

Berufsfindung ist Selbstfindung

Schieb die Aufgabe nicht auf Eltern, Lehrer, Berufsberater ab. Kein Berater kennt deine eigenen Stärken und Grenzen, deine Ziele und Wünsche so sicher wie du!

Deshalb – mach zuerst den Talent-Check:
Markiere die Aktivitäten, für die du Zeit aufwendest und setz ein Kreuz, wo du ein gewisses Expertenwissen nachweisen kannst.

  • Reparieren (Zweiräder, Computer…)
  • Basteln
  • Sport (welche Sportarten?)
  • Tanzen (Ballett, Jazz Dance)
  • Ein Instrument spielen
  • Im Chor singen
  • Gruppe leiten
  • Musik: Charts, Künstler, Musikrichtung
  • Film & Fernsehen
  • Mode
  • Geschichtliche Themen (Zeiten, Völker)
  • Programmieren
  • Chatten, bloggen, posten
  • Schach
  • PC-Spiele (welche?)
  • Malen, zeichnen (am PC?)
  • Fotografieren, filmen)
  • Literatur: Autoren, Bücher
  • Schreiben (Briefe, Geschichten)
  • Physik (welche Themen?)
  • Erdkunde: Kontinente, Länder
  • Dritte Welt
  • Politik
  • Fremde Sprachen
  • Religion, Philosophie
  • Mineralien
  • Tiere

Danach notierst du präzise, welche Erfolge und Leistungen du bereits erzielt hast.
Schreib alles hin, was dir einfällt: Turniere, Wettkämpfe, Aufführungen, Freizeiten, Events, Reparatur-, Bastelerfolge, schriftliche Arbeiten, Projekte, Jobs, Aufträge …

Verfolge deine Selbstanalyse weiter. Notiere deine Antworten auf diese Fragen
1. Auf welche Stärken kann ich bauen?
2. Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich das tun:
3. Erstaunlicherweise kann ich das besser als andere:
4. Von dem, was Erwachsene beruflich machen, hat mich am meisten beeindruckt:
5. Dafür bin ich maximal untauglich:
6. Ich beschäftige mich am liebsten mit Leuten/mit Informationen/mit ?, denn:

Teile ein Frageblatt aus – an deinen Lieblingslehrer, an Freunde, an eine Person aus deiner Familie, die dich wirklich ernst nimmt und lasse dir Auskunft geben über dich. Auskunft über Max Mustermann …

  • Was er/sie besonders gut kann:
  • Womit er/sie mich am meisten beeindruckt hat:
  • In welchem Job ich ihn/sie mir gut bzw. nicht gut vorstellen kann:
  • Was er/sie als nächstes konkret tun sollte:

Erwachsene bauen in ihren beruflichen Rat oft ein, was sie selber in deiner Situation tun würden oder wie die Wirtschaft und der Jobmarkt sich ihrer Ansicht nach entwickeln werden. Hör auf die Stimme der Vernunft, aber unterdrücke nicht deine innere Vision.

Um die Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu beweisen, wird man oft in Bewerbungsgesprächen gebeten, zu erklären, warum man sich für einen bestimmten Berufsweg entschieden hat.
Wenn einer von diesen Gründen auch auf dich zutrifft, dann liegst du in deiner Wahl goldrichtig.

Familientradition: «In unserer Familie sind alle Feinmechaniker oder Ingenieur. Wir haben eine Vorliebe für Werkzeuge und Maschinen.»
Vorbild: «Die beste Freundin meiner Mutter ist Geschäftsführerin. Ich war schon sehr früh von ihrer Power und ihrem Durchblick beeindruckt.»
Gesinnung: «Ich habe noch in der Schule angefangen, mich bei den Pfadfindern zu engagieren.»
Bestimmung: «Wenn einem der Beruf in die Wiege gelegt worden ist, dann mir. Schon meine Großeltern …»
Begabung: «Es ist mir selber gar nicht aufgefallen. Erst als meine Mathe-Lehrerin mir geraten hatte, mich für ein Praktikum bei ihnen zu bewerben, ging mir auf, wo meine Stärken liegen.»
Voraussicht: «Weil ich anfangs nicht wusste, was ich machen sollte, habe ich echt Marktforschung betrieben. Welches sind die Wachstumsbranchen der nächsten Jahre? Welches die interessanten Berufsfelder? Der gemeinsame Nenner war IT-Service.»
Nicht beeinflussen darf dich bei der Berufsfindung: Dass alle in deiner Gruppe das machen. Dass kein Kumpel das macht. Dass du den geliebten Heimatort nicht verlassen willst. Dass die Ausbildung lange dauert. Dass deine Eltern nicht kapieren oder schätzen, was du werden willst.
Vergiss nicht: Es gibt so vieles, was du tun kannst. Es gibt weit mehr Berufe, als du ahnst. Manche Leute schaffen sich sogar ihren eigenen Beruf. Verzweifle nicht, wenn du eine Zeitlang auf einem Floß aus Selbstzweifeln im Meer der Hindernisse treibst. Über dir ist der Jobhimmel. Dein Stern wird dich leiten.

Text: Gerhard Winkler

 

Die   Qual der Wahl beim Berufsfindungsprozess

[Karo, 17]

Die mir in letzter Zeit wahrscheinlich am häufigsten gestellte Frage ist die, was ich nach dem Abitur vorhabe. Das nervt mich ganz schön, denn ich weiß es nicht!! In einem guten halben Jahr ist es soweit, und viele Mitschüler haben schon ganz konkrete Vorstellungen. Ich habe höchstens eine Idee!
Einige Freunde starten in ein Jahr Work&Travel, ein Praktikum, ein Au-pair- oder ein freiwilliges soziales Jahr, um sich mehr Zeit für ihre Orientierung für Studium oder Ausbildung zu verschaffen oder noch einmal etwas anderes zu tun, bevor es losgeht.
Ich weiß wenigstens schon, dass ich im Oktober das Wintersemester an einer Uni belege. Aber was ich studiere und wo, ist noch ein riesiges Fragezeichen. Und ich habe Angst, womöglich eine Fehlentscheidung zu treffen! Denn es gibt tausende mögliche Studiengänge allein in Sachsen, und mit der Studienwahl ist die Berufswahl noch lange nicht getroffen!
Ich muss überlegen, wofür ich morgens gern aufstehen würde, was mich interessiert und motiviert, woran ich Spaß habe, ob und wo ich mit meinem Beruf später Geld verdienen möchte oder, ob der Spaß vorgeht. Okay, ich interessiere mich für Biologie, insbesondere die Richtung Genetik und könnte mir u.   a. den Studiengang „Molekulare Biotechnologie“ vorstellen. Als möglicher Studienort kommen für mich eigentlich nur Dresden oder Städte außerhalb Sachsens in Frage.
Aber was, wenn ich während des Studiums feststelle, dass dieser Studiengang insgesamt eine Fehlentscheidung war?! Jetzt mal ganz langsam! Festlegen heißt ja nicht, dass meine berufliche Zukunft unabänderlich ist. Kenne ich jemanden in meinem Bekanntenkreis, der ohne Umweg, ohne den geringsten Kurswechsel in seinen Traumberuf durchgestartet ist? Ja, es gibt den einen oder anderen Glückspilz, der ein ganz konkretes Ziel hatte, das Gespür für den richtigen Weg entwickelte, ihn dann mutig anpackte und durchzog. Aber ganz viele haben sich auch mitten in ihrer beruflichen Laufbahn neu orientiert und sind völlig andere Wege gegangen. Letztendlich gibt einem jede „Fehlentscheidung“ mehr Wissen mit auf den weiteren Lebens- und Berufsweg und füllt Lebenslauf und Erfahrungsschatz. Und wenn ich auch nicht gleich die im Nachhinein hundertprozentig richtige Entscheidung treffe: Manchmal ist eben der Weg das Ziel!
Mein Tipp: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Studiengang oder den Ausbildungsplatz vorher kennenzulernen bzw. herauszufinden, ob dieser zu mir passt. Man kann sich beispielsweise mit Studenten oder Auszubildenden austauschen, am Tag der offenen Hochschultür in die Hörsäle hineinschauen, Professoren und Dozenten befragen, Menschen, die einem nahestehen um eine Einschätzung bitten, ein Schnupperstudium oder Praktika belegen, Orientierungstests absolvieren, sich bei der Zentralen Studienberatung oder bei der Bundesagentur für Arbeit beraten lassen.
 

[Paul, 25]

Seit meiner Kindheit, begeisterte mich die Biologie, sodass ich nach dem Abitur in Richtung Evolutions- oder Meeresbiologie gehen wollte. In Potsdam begann ich Biowissenschaften zu studieren und stellte fest, dass es hier viel mehr auch um Chemie und Physik ging, als um Zoologie, Botanik oder Ökologie. Schon im Gymnasium hatte ich Physik abgewählt und hätte jetzt den ganzen Stoff irgendwie nachholen müssen. Das frustrierte und überforderte mich. Als ich mich zum Abbrechen entschied, war ich vor allem von mir selbst absolut enttäuscht und wollte die ganze Idee von der Biologie komplett an den Nagel hängen. Bei der Suche nach einer neuen Perspektive entdeckte ich, dass ich meinem Interesse an der Entwicklung des Lebens, speziell des Menschen, auch nachgehen konnte, indem ich Prähistorische Archäologie und Geologie / Paläontologie studierte. Ich schrieb mich deshalb in Jena für die Fächer Ur- und Frühgeschichte sowie Geologie ein, nur um kurz darauf festzustellen, dass die kulturelle Entwicklung des Menschen für mich noch spannender war, als seine evolutionäre. Mittlerweile mache ich in Bamberg bald meinen Masterabschluss in der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.
Ich kann nur raten: Guckt euch die Studienfächer eures Wunschstudiums detailliert an!
Informiert euch ganz genau über alle Inhalte und auch über die Forschungsschwerpunkte der dozierenden Professoren. Und nehmt es nicht als selbstverständlich, dass ihr das machen müsst, was ihr schon immer vorhattet. Wenn ihr offen seid und euch umseht, entdeckt ihr auf den zweiten Blick möglicherweise einen Fachbereich, über den ihr noch nie nachgedacht habt und der euch noch viel mehr interessiert.
Übrigens ein Studiengang kann zwar gleich oder ähnlich heißen, aber inhaltlich je nach Uni sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Sucht euch euer Studienfach nicht nach dem Angebot in einer bestimmten Stadt aus, nur weil ihr sie schon kennt oder sie euch gefällt, sondern geht dahin, wo genau das Fach und genau die Schwerpunkte angeboten werden, die euch am wichtigsten sind. Intensive Information bis ins Detail hätte mir meinen Umweg erspart!
 

[Marie, 22]

Ich studiere Architektur im dritten Semester an der TU München. Seit ich klein bin, fasziniert mich der Beruf des Architekten. Ich wollte schon immer kreativ und produktiv arbeiten und das kann ich jetzt verwirklichen. Auch wenn die Vorurteile, lange Arbeitszeiten und schlechter Verdienst stimmen sollten, ist es mein Traumstudium. Besonders glücklich macht mich am Ende einer zeitintensiven Abgabe das Produkt, sprich das Modell und die Pläne. Das ist die viele Arbeitszeit dann allemal Wert!
Nach dem Abitur fand ich es zunächst schwer, mich für eine Richtung zu entscheiden. Deshalb begann ich Sportwissenschaften zu studieren. Ich dachte, dass ich damit einen zukunftsorientierten Abschluss anstrebe. Leider habe ich mich zu sehr von anderen Leuten beeinflussen lassen und mir zu viele Gedanken um meine Zukunft gemacht. Im Nachhinein war das falsch, denn es hat mich von meinem Traumjob, dem der Architektin, abgebracht. Deshalb würde ich allen nach dem Schulabschluss raten, das zu machen, wobei sie Spaß haben! Heute bereue ich es nicht, einen Einblick in einen anderen Studiengang bekommen zu haben. Was ich dort gelernt habe, habe ich fürs Leben gelernt. Allerdings konnte ich mir nie vorstellen, später auch in der Sport- und Fitnessbranche zu arbeiten und das ist natürlich fatal. Deshalb habe ich zur Architektur gewechselt. Ein halbjähriges Praktikum in einem Architekturbüro hat mir die Entscheidung erleichtert, den Studiengang zu wechseln. Das würde ich jedem empfehlen, der sich nicht sicher ist. Schließlich studiert man im Idealfall nur einmal, und das bestimmt das spätere Leben.

 

[Luise, 23]

Ich finde es schwer, sich beruflich zu entscheiden und habe deshalb Phasen, in denen ich mir unsicher war, in welche Richtung ich mich beruflich entwickeln möchte, im letzten Jahr mit Praktika und Auslandsaufenthalten überbrückt. Ursprünglich wollte ich etwas mit Umwelt oder erneuerbaren Energien studieren, da unsere Umwelt für uns eines der wichtigsten Güter ist. Doch nun habe ich mich doch für das Studium „Soziale Arbeit“ entschieden, weil ich durch meine Praktika und ehrenamtliche Arbeit herausgefunden habe, dass dieser Studiengang derjenige ist, der am besten mit meinen Fähigkeiten und Interessen übereinstimmt. Lasst euch lieber Zeit, herauszufinden, was ihr wirklich beruflich wollt und zieht es dann auch durch, anstatt euch von anderen sagen zu lassen, was ihr tun sollt. Macht euch selbst keinen übermäßigen Stress, ihr könnt euren Weg immer noch ändern, wenn ihr euch anders entscheiden solltet.

INFOs:
Berufsinformationszentren der Agentur für Arbeit in deiner Nähe www.studienwahl.de sowie die Zentralen Studienberatungen der Unis

Dezember 2015

  • Herausgeber:
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