Bewerbertest

Ausbildung: Vorbereitung auf den Reifetest

Zwei Klassenstufen tiefer sehen alle so aus und haben alle so einen unschuldigen Blick wie Dominik Schröder (noch 15 J.) aus Mockau-Süd. Doch verglichen mit den Leuten in seiner eigenen Klasse ist er – nun ja – einen Pumucklkopf kleiner und zudem noch etwas schwach auf der Brust. Deshalb ist ihm nicht wohl dabei, dass er bald vor die skeptischen Ausbilder treten wird. Die poltern ja immer wieder laut über die mangelnde Ausbildungs- und Berufsfähigkeit von Schulabgängern. Sie werden ihn, wie er befürchtet, im Vorstellungsgespräch eher kritisch und von oben herab ansehen.

Jung wirken ist von Vorteil

Als Bewerber darf man ein bisschen kindlich aussehen. Man darf sich nur nicht kindlich geben. Überraschenderweise ist es für einen Bewerber eher von Vorteil, wenn er insgesamt noch ein bisschen jung wirkt. Jüngere, denken die Älteren, sind leichter zu lenken und zu formen. Wenn die Jugendsachverständigen von unreifen Ausbildungssuchenden sprechen, meinen sie dies:

  • Unreife Bewerber wissen nicht recht, was sie wollen.
  • Sie täuschen sich darüber, was auf sie zukommt.
  • Und sie haben nicht drauf, was man in diesem Alter zu wissen und zu können hat.
Voll informiert über den Wunschberuf

Deshalb bist du als Ausbildungsfinder über den Wunschberuf, den Wunschbetrieb, die Ausbildungsinhalte und über die besonderen Anforderungen ja voll informiert. Du weißt, was an Aufgaben und Pflichten auf dich zukommen wird. Du bist sichtbar willig, bereit und zuversichtlich, dass du deinen nächsten Lebensabschnitt auch gut packen wirst.

Wissensfragen und Rechenaufgaben

Soweit, so gut. Du hast jedoch schon gehört, dass in Interviews und vor allem in den sogenannten Assessments, den Testrunden für Bewerber, nicht nur dein Gesicht studiert und dein Lebenslauf abgeklopft wird. Auf dich warten Wissensfragen aus Gesellschaft, Zeitgeschichte, Kulturleben, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Geographie. Dass man als Ausbildungssuchender mit Rechenproblemen wie Textaufgaben oder symbolisches Rechnen traktiert wird, kannst du dir gleichfalls ausrechnen. Je nach Ausbildungsrichtung erwarten dich auch Schaubilder von technischen Anordnungen, in denen sich die bei Freunden von Zahnrädern, Kraftpfeilen und Wassertanks so beliebten Technikaufgaben verstecken. Dann kommen oft noch die Gewusst-wie-Aufgaben der verbalen und nonverbalen Intelligenztests dazu.

Hilfe beim Wissensdefizitausgleich

Mit einer erfolgreichen Schulkarriere bist du darauf bereits fabelhaft vorbereitet. Kein Test für Schulabgänger fragt Wissen ab, das sich nur außerhalb des Unterrichts erwerben lässt. So gesehen, zahlt es sich für dich enorm aus, deine Lernanstrengungen in den letzten beiden Schuljahren zu vervielfachen. Viele private Dienstleister bieten dir Hilfe beim außerschulischen Defizitausgleich in den WSDK – Wer-soll-das-kapieren-Fächern. Clevere lassen sich auch in den Schulfächern an die Spitze bringen, wo sie schon ziemlich glänzen. Es gibt vor allem auch Non-Profit-Einrichtungen wie die Volkshochschulen, die Prüfungsvorbereitungen und themengenaue Vorbereitungen auf den Realschulabschluss anbieten.

Am Kompetenzprofil arbeiten

Sollte deine Schule mit dem Berufswahlpass arbeiten, dann mach mit, nimm ihn ernst und nutze jede Gelegenheit, an deinem Kompetenzprofil zu arbeiten und es von Lehrern, Beratern und Ausbildern begutachten zu lassen.

Test-Training

Wenn du deine schriftliche Bewerbung verschickt hast, ist es fast schon zu spät, dich mit Einstellungstests vertraut zu machen. Hol dir Bücher zur Testvorbereitung aus der Bücherei. Die Sparkassen (mit meinem Heft TEST-TRAINING) und andere Institutionen bieten kostenlose Übungshilfen an. Beispielaufgaben findest du auch im Internet. In Tests wird auf Rechenmethoden zurückgegriffen, die schon etwas länger her sind: Dreisatz, Prozentrechnung, Textaufgaben. Übe solange, bis du die Rechenaufgaben nebenbei beim Telefonieren sicher löst.

Allgemeinbildung ist gefragt

Unter Allgemeinbildung versteht man etwas anderes als triviale Pipapo-Fragen. TV-Bildung reicht nicht. Lies Einführungen, populäre Sachbücher und surfe auch im Web (zum Beispiel zu http://www.zeit.de/ bildungskanon/liste) Lies dich bis zu Bill Brysons Eine kurze Geschichte von fast allem durch.

Wortschatz erweitern

Alle Erfahrung zeigt, dass die Leute, die ein verschärftes Rechtschreibtraining am nötigsten haben, sich ein perfektes Schreibvermeidungsverhalten antrainieren. Ebenso zeigen Menschen, denen kein entsprechendes Wort für optimal oder relevant einfällt, nicht die geringste Neigung, ihren Wortschatz aktiv zu vergrößern. Da ist die Gefahr groß, dass man an nicht alltäglichen Aufgaben wie Sonne: Korona. Mond: ? (Planet, Universum, Finsternis, Halo, Korona) scheitert.

Tipps und Übungen

Tipps und Übungen für Auswahltests sowie Wissenswertes zu Assessment-Centern findest du auf www.planet-beruf.de, einem Info-Angebot unserer Bundesagentur für Arbeit. Die Vorteile aller deiner vorbereitenden Bewerbungsbemühungen: Bildung, Wissen, Rechenfähigkeit und Sprachkompetenz machen dich nicht nur für Ausbilder attraktiv!

 

Mache den Test zu einem Fest

Tests sind keine Fallen. Es ist ja weder unüblich noch grausam, Fähigkeiten und Kenntnisse von Kandidaten abzufragen. Tests für junge Bewerber gehen auf die Intelligenz, auf die Begabung oder auf besondere Fertigkeiten ein. Im Grunde kreisen alle Bemühungen um die zentrale Frage: Wie fit bist du für den Job? Tests sind alles in allem Mittel, um sich ein bisschen mehr Klarheit zu verschaffen: Kann sich der Prüfling konzentrieren? Kann er seine Aufmerksamkeit und seinen Willen fokussieren? Versteht er Anweisungen, Informationen und Fragen? Kann er praktische Rechenaufgaben lösen? Kann er klar und präzise formulieren? Denkt er strukturiert? Zur aktiven Bewerbungsphase zählt das Durcharbeiten von Aufgaben aus mehreren Testbüchern. Beschränke dich nicht auf eine einzige Aufgabensammlung – du schießt dich sonst auf ein einziges Testschema ein.

Gehe in einen Test wie ein Sieger:
  • Nimm vor dem Testtermin keine Beruhigungsmittel ein. Absolutes Alkoholverbot! Pumpe aber wie ein Leistungssportler deinen Adrenalinspiegel hoch. Nur das garantiert fixes Denken.
  • Gehe am Vorabend nicht zu spät ins Bett. Solltest du nicht einschlafen können, stelle dir Testschäfchen auf Zahlenwiesen vor.
  • Lies beim Frühstück die Tageszeitung durch – so, wie du es schon die ganze Woche machst. Leute, die nach der Allgemeinbildung fragen, fragen oft das ab, was gerade in den Nachrichten hochgekocht wird.
  • Dusche bevor du das Haus verlässt und ziehe dich so an, als würdest du zum Festakt 100 Jahre Industrie- und Handelskammer gehen.
  • Erscheine 15 Minuten vor dem Termin am vereinbarten Ort, peile die Lage und spaziere zweimal um den Block.
  • Grinse während des Spaziergangs zwei-, dreimal wie ein Honigkuchenpferd. Bis weit über die Ohren hinaus. Natürlich darf dich kein Mensch dabei sehen. Ein paar Mal blöd, breit und glücklich grinsen, schüttet Glückshormone aus. Die brauchst du!
  • Während du im Vorzimmer wartest, entspanne dich und mache dir klar: Alle oder wenigstens die meisten Aufgaben sind lösbar.
  • Während die Aufgabenstellung erläutert wird: Übersetze alles simultan in einen Film. Sobald das Bild verschwimmt, frage nach.
  • Beim Studieren der Aufgaben: Identifiziere die Testfragen, die dir am besten liegen. Starte mit den Aufgaben, die dir leicht fallen. Was man hat, das hat man.
  • Schweißausbrüche, Zittern, Schwindel, Übelkeit. Angst ist ein ehrenwertes Gefühl. Du schwimmst wie in einer aufgewühlten See, die dich zu verschlingen droht. Halte dich am Steuerrad fest und fixiere den Blick strikt auf den Kompass. Das Steuerrad sind deine Testaufgaben, die Kompassnadel zeigt auf WEITERMACHEN.
  • Leistungssportler und Top-Manager konzentrieren sich voll auf ihren Auftritt. Sie spielen ihn vorher mental durch, so oft, bis sie ganz drin im Thema sind. Kein Profi, der nicht vorab seine Aufgaben übt.

 

Text: Gerhard Winkler

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