Bewerbungsfalle SocialMedia

Wie verhalte ich mich als Nutzer und Bewerber richtig?

Eure Daten sind im Netz sicher und eure Fotos und Beiträge gehen nur euch etwas an? Von wegen! Das Internet vergisst nichts! Dank der Sozialen Medien wie
Facebook, Xbox live, Instagram und Co. gibt es von jedem von uns im Netz eine ganze Fülle an Informationen. Auch solche, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann oder will. Sei es das Foto von der Klassenfahrt vor zwei Jahren oder der tollen Party am letzten Wochenende, bei der einige so richtig „abgestürzt“ sind. Viele Beiträge und Kommentare, die ihr früher einmal cool fandet, sind euch heute vielleicht total peinlich. Leider bleiben diese oft für immer im digitalen Gedächtnis. Wie ihr das einschränken könnt, soll dieser Beitrag zeigen.

Personaler nutzen Internet, um mehr über die Bewerber zu erfahren

Doch warum ist das überhaupt wichtig? Weil mittlerweile Arbeitgeber immer stärker die Möglichkeiten zur Onlinerecherche nutzen. So können sie im Vorfeld mehr über ihre Bewerberinnen und Bewerber erfahren. Finden diese dann Fotos und Kommentare von euch, die euch beim Chillen mit der Bong, beim letzten Koma-Trinken oder in einer freizügigen Pose während des letzten Diskobesuchs zeigen, kann das ein schlechtes Licht auf euch werfen. Auch wenn ihr vielleicht „nur“ dabei wart.
Auch wenn es euch bisher gar nicht bewusst war: Genau diese Informationen können von vornherein zu einer Ablehnung eurer Bewerbung führen. Natürlich gibt es noch viele andere Gründe für eine Absage. Offiziell waren meist andere Bewerber und Bewerberinnen passender für den Job. Was genau die Ursache dafür ist, dass ihr die Stelle oder den Ausbildungsplatz nicht erhaltet, werdet ihr nicht einmal auf Nachfrage bei der Personalabteilung erfahren.
Die Personalsuchenden nutzen die Neuen Medien mitunter sehr kreativ, um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Entscheidend ist die optimale und schnelle Besetzung der ausgeschriebenen Stelle. Business-Portale wie XING, LinkedIn und Lebenslaufdatenbanken, ebenso Dienste wie Twitter oder Dating-Plattformen sind dafür wunderbar geeignet. Im Netz können viele Interessierte mit wenig Aufwand angesprochen werden. Dafür haben einige Firmen spezialisierte „Social Media Manager (m/w)“ und „Recruiter (m/w) Active Sourcing/Direct Search“ eingestellt, die als Profis in diversen Medien agieren.
Rechtlich gibt es einige Vorgaben, die die Zulässigkeit von Recherchen zu eurer Person vor allem im privaten Bereich einschränken. Aber auch wenn ihr einen Missbrauch eurer Daten vermutet, könnte ein solcher Nachweis sehr schwierig werden. Des Weiteren hat jeder das „Recht am eigenen Bild“. Das gilt übrigens auch für Bilder, die ihr von anderen macht, da diese nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet werden dürfen.

Persönlich negative Inhalte ermitteln und verhindern

Egal wie ihr es anstellt: Eine vollständige Kontrolle über die eigenen Daten im Netz gibt es nicht. Was ihr einmal online gestellt oder gepostet habt, ist weg und kann kaum rückgängig gemacht werden. Darüber sollte sich jeder in dem Moment klar sein, in dem das Foto oder der Beitrag entsteht. Problematische Bilder, falsche „Gefällt mir“-Klicks und Beiträge kann man nur mit Aufwand entfernen. Oft ist das gar nicht mehr zu kontrollieren. Ist euch klar, dass euer Surf-Verhalten systematisch erfasst und ausgewertet wird? Unter dem Stichwort „Big Data“ sammeln viele große Web-Anbieter Unmengen an Material über euch. Auch andere Unternehmen gehen dazu über, diese Daten zweckmäßig zu nutzen. Das könnt ihr etwas einschränken, indem ihr bestimmte „Cookies“ sperrt, euch vom jeweiligen Sozialen Medium abmeldet und dann die Webseite in einem neuen Fenster direkt öffnet. Aber wer macht das schon – vor allem, wenn man über das Handy ins Web geht?
Natürlich kann man Einträge auf Facebook, YouTube und Apps mit verschiedenen Funktionen entfernen lassen. Wichtig ist, dass ihr euch schon bei der Anmeldung darüber informiert, was mit euren persönlichen Daten passiert. Das ist gerade bei neuen Diensten oft schwierig und nervig. Instagram zum Beispiel erhält ab dem Zeitpunkt deiner Anmeldung Zugriff auf dein öffentliches Profil, deine Freundesliste und E-Mail-Adresse. Den Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen stimmst du direkt bei der Anmeldung zu. Aber mal ehrlich – wer von euch hat die insgesamt 20 DIN A4-Seiten gelesen?

So verhältst du dich als Nutzer und Bewerber richtig

Zuerst solltet ihr unnötige Einstellungen und Freigaben deaktivieren oder einschränken. Wenn ihr zum Beispiel auf Fotos markiert wurdet, sollten diese erst mit eurer Bestätigung freigeben werden. Bei anderen Webseiten gibt es die Möglichkeit, über alle Aktivitäten benachrichtigt zu werden, die euch betreffen. Dadurch bekommt ihr Änderungen schneller mit und erspart euch das Lesen aller Postings.
Am besten checkt ihr gleich einmal, was über euren Vor- und Zunamen online verfügbar ist. Wenn da sehr verfängliche oder negative Treffer bei der Suche auftauchen, solltet ihr umgehend handeln und den Betreiber der App oder des Dienstes zum Löschen auffordern. Zudem kann man auch Beiträge löschen, die veraltet sind oder unwichtige Informationen über euch enthalten. Löscht auch Anwendungen, die ihr nicht mehr braucht. Die entsprechenden Betreiber können dann nicht mehr in euren Daten suchen.
Klar wollt ihr heutzutage mitreden können und in den Sozialen Medien aktiv präsent sein. Das könnt ihr auch. Wichtig ist nur, dass ihr sensibel mit euren öffentlichen Informationen umgeht. Postet nur Bilder und Beiträge, die ihr auch noch zukünftig voll vertreten könnt.
Kontrolliert regelmäßig eure Pinnwand, Chronik und ähnliche Beiträge. Was problematisch erscheint, löscht ihr am besten sofort.
Handelt dabei stets nach dem Motto: „Es kommt nicht darauf an, dass man Soziale Medien nutzt, sondern wie.“ Seit der Eröffnung der digitalen Welt hat sich viel geändert. Der Spruch „Big Brother is watching you“ scheint heute keine Fiktion mehr zu sein. Die Informationen über uns werden zunehmend transparenter. Der Zugang zu bestimmten Diensten für den beruflichen Alltag ist wichtig und nützlich. Es führt also oft kein Weg daran vorbei, sinnvoll damit umzugehen.

Beschäftigt euch mit den Hintergründen und nutzt dieses Wissen dann zu eurem Vorteil! Mit der Umsetzung der genannten Tipps könnt ihr euch ab sofort als kompetent und für die Unternehmen interessant im Netz darstellen. Zumindest tappt ihr weniger in derartige Bewerbungsfallen. Viel Erfolg dabei!

Info: Der Schutz ihrer Privatsphäre ist für die meisten Nutzer sozialer Netzwerke wie Face­book, Xing oder Twitter ein zentrales Thema. Insgesamt 85 Pro­zent der Nutzer verzichten aus Datenschutzgründen auf die Preisgabe bestimmter persönlicher Informationen (63 Prozent auf Angaben zu ihrer sexuellen Orientierung, 45 Prozent auf Fotos, auf denen sie selbst zu sehen sind, 43 Prozent sind in den Netzwerken nicht unter ihrem richtigen Namen unterwegs). Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.013 Internetnutzern ab 14 Jahren hervor, darunter 703 aktive Nutzer sozialer Netzwerke. Laut Umfrage meiden 41 Prozent Aussagen zu religiösen Inhalten und 37 Prozent äußern sich nicht zu politischen Fragen. 39 Prozent posten zudem keine Fotos von ihren Kindern. Ein Drittel äußert sich auch nicht zu Produkten oder Dienstleistungen.

Sandro Freudenberg, Dr. Sandra Stephan, Juni 2016

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