Ausbildung – Ärger vermeiden

Raus aus der Schule! Rein in die Jobwelt! Auf einmal bist du im Land der Alten. Die haben alle ihre besten Jahre sichtbar weit hinter sich! Und ein Teil dieser nicht sehr trendig, eher verstaubt wirkenden Leute hat dir auch noch was zu sagen! Vielleicht hörst du da nicht genau zu. Vielleicht führst du nicht alles haargenau so aus, wie man es dir anweist. Oder du bist auf die Idee gekommen, bestimmte Leute nicht wortlos-eifrig anzustrahlen, sondern ihnen gleich etwas auf die dünne Nase zu binden: Dein mangelndes Verständnis, wie es läuft. Deine Unlust, etwas zum Laufen zu bringen. Deine Null-Motivation, selber zu laufen. Erwachsene machen aus so etwas gleich einen Konflikt. Und schon steckst du mittendrin. Was bist du für ein Konflikt-Typ? Bist du eine Katze? Die fauchen und plustern sich auf. Bullen kneifen die Augen zu und stürmen schnaubend los. Kaninchen schauen verdutzt und verdünnisieren sich fix. Brummbären verschwinden in die Teeküche, wo man sie noch eine Weile grummeln und Porzellantassen zerdeppern hört. Nachtfalter sinken entseelt zu Boden, wenn sie negative Schwingungen im Raum spüren. In der Erwachsenenwelt bringt es dir Vorteile, instinktiv das Richtige zu tun – zum Beispiel sich an Zeitvorgaben halten, Werkzeug pfleglich behandeln, als Praktikant eher ein Lern- als ein Belehrverhalten zu zeigen. Folg aber nicht instinktiv deinem inneren Kater, Falter, Kaninchen, Bullen oder Bären. Und falls du auf die Tentakeln deiner inneren Qualle besonders stolz bist: Lass keine lose baumeln! Die moderne Erforschung der Konflikte in Ausbildungsstätten und Betrieben hat viele Einsichten und ein paar coole Jobs wie den Mediator hervorgebracht. Wichtig für dein Job-Survival sind erst einmal diese drei Regeln:

  • Lauf nicht in einen Konflikt hinein ohne klare Idee, wie du da wieder heil herauskommst.
  • Lass dich nicht auf einen Konflikt ein, den du ziemlich sicher verlieren wirst.
  • Falls du Regel 1 und 2 missachtet hast und mitten drinsteckst: Lenk ein.

Du brauchst kein Spürhund zu sein, um aufziehenden Ärger zu wittern. Zum Beispiel wenn du das Gefühl hast, dass du nach einigen Wochen oder Monaten im Betrieb überhaupt nichts lernst. Jetzt nichts zu sagen, killt vielleicht deine Hoffnung auf einen guten Ausbildungsabschluss. Andererseits weißt du nicht, ob du nicht überzogene Vorstellungen hast. Geh einfach strukturiert vor:

  • Prüf genau: Werden seitens des Ausbilders die vertraglich definierten Ausbildungsinhalte unangemessen, unzulänglich oder nicht fristgerecht vermittelt? Zeig deine Wochenberichte einem Lehrer oder jemandem von der Innung oder sonst einer kompetenten Person.
  • Sicher dein Gefühl durch Fakten ab: Fang an zu notieren, was vorfällt, ausfällt, dir gar nicht gefällt. Vergleiche deine Beobachtungen mit denen von Azubis aus anderen Betrieben.
  • Denk wie ein gewiefter Anwalt: Kannst du Missstände auf eine mangelnde Vertragstreue deines Betriebs zurückführen? Lies deinen Vertrag und die schriftlich fixierten Inhalte und Anforderungen deiner Ausbildung durch.
  • Rede mit deinen Erziehungsberechtigten darüber. Leg möglichst erste handfeste Beweise auf den Tisch. Lass dich nicht mit billigem Trost oder Durchhalteparolen abspeisen, wenn du dir ernsthafte Sorgen machst.
  • Trag das Problem einer weiteren erwachsenen Person deines Vertrauens vor, die mit Auszubildenden beruflich zu tun hat. Falls du deinen Lehrern nicht recht traust, geh zum Schulleiter.
  • Auch wenn es dir sehr schwer fällt: Such zunächst das Gespräch mit deiner Ausbilderin bzw. deinem Ausbilder und wende dich erst wenn dies scheitert an die Geschäftsführung bzw. Personalleitung und möglichst auch an den Betriebsrat. Überspringe deinen direkten Vorgesetzten dann, wenn du etwas Gravierendes über ihn anzuzeigen hast oder du dich vor ihm schützen musst.
  • Nimm , wenn es hart auf hart kommt, auch mit der zuständigen Innung bzw. mit der IHK Kontakt auf und trag dort dein Problem vor. Deine Schritte: Zunächst ein Problem genau definieren. Belege sammeln und Beweise dokumentieren. Deine Sicht der Dinge neutralen und kompetenten Dritten schildern. Rat einholen. Sodann den Ausbildungsbetrieb informieren und ihm die Chance geben, Missstände abzustellen. Vergiss nicht, dass ein guter Auszubildender oder Praktikant permanente Konfliktentschärfung betreibt:
  • Verlässlich sein. Arbeite nicht nur Aufträge ab. Lern, die zeitlichen Fristen einzuschätzen, die du zur Erledigung brauchst. Gib möglichst verlässliche Zeitangaben. Liefere gute Arbeit ab.
  • Präsent sein. Denk mit. Sag es sofort, wenn du etwas nicht verstanden hast. Zeig, dass du mitkriegst, wohin das Team den Ball treibt, wo der Meister den Ball sehen will und wie das Endergebnis aussehen soll.
  • Draußen bleiben. Konflikte, Knatsch und Zoff im Betrieb sind immer ein guter Grund für die Mitarbeiter, ihren Job zu vernachlässigen. Mach aber unter allen Umständen zuerst deinen Job. Lass die anderen sich streiten. Die meisten Leute sind scharf darauf, Partei zu ergreifen. Wenn du es durchhältst, unparteiisch zu handeln, hast du den meisten Erwachsenen etwas voraus.

Gerhard Winkler, Dezember 2008

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