Reisen, Freiwilligendienste und Praktika im Ausland

Ich bin dann mal weg

Anne in Tadschikistan

Anne Kukuczka (l.) mit Gastfamilie in Tadschikistan während eines Handwerks­projektes im Rahmen eines Praktikums (ASA-Programm)

Engagements im Ausland

Ein Land, seine Kultur und Menschen ganz nah erleben und kennen lernen, touristische Pfade verlassen und das komplett oder teilweise finanziert bekommen? Geht nicht? Geht ja wohl! Mithilfe verschiedener Programme bereiste ich tibetische Siedlungen im Norden Indiens, führte eine Feldforschung zur Menschenrechtssituation in den Philippinen durch und arbeitete in einem Handwerksprojekt in Tadschikistan. Ein Auslandsaufenthalt ist eine bereichernde Erfahrung für die persönliche Entwicklung. Flexibilität, Selbstständigkeit, Gelassenheit und die Relativierung eigener kultureller Werte und Normen sind nur einige der soft skills, die ich durch das Leben in einem anderen Land gelernt habe.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten des Engagements im Ausland. Wer gern mehrere Wochen ein Land intensiv bereisen möchte und bereit ist, die Reise unter eine spezifische Arbeitsthematik zu stellen, kann sich für ein Reisestipendium bewerben. Die ZIS-Stiftung fördert Reiselustige im Alter von 16 bis 20 Jahren vor Unibeginn mit 500 Euro, die Schwarzkopf-Stiftung legt ihren Fokus auf Europa und unterstützt junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren mit 550 Euro. Die Reise muss bei beiden Stiftungen allein durchgeführt werden, sollte 4 bis 6 Wochen dauern und mit einem Bericht abschließen. Das begrenzte Budget ist Teil der Philosophie: Bus statt Flugzeug, Übernachtung bei Einheimischen statt in Hotels. Netzwerke wie Couchsurfing oder Hospitality-Club helfen dabei, Menschen im Gastland zu treffen und private kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. Gegen Kost und Logis kann über die Organisation „Woofen“ weltweit auf Bauernhöfen mitgearbeitet werden. Besonders für längere Schul- oder Semesterferien bietet sich diese Art des Reisens als wertvolle Einstiegserfahrung an.

Organisierte Freiwilligendienste

Längere Auslandsaufenthalte von mehreren Monaten bis zu einem Jahr sind im Rahmen eines organisierten Freiwilligendienstes (FWD) möglich. Friedens- und Demokratiearbeit in einem Jugendzentrum in Bosnien, Durchführung von Umweltbildungsprogrammen an argentinischen Schulen, Unterrichten von benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Frauen in Nepal oder Kampagnengestaltung zur Gesundheitsförderung in Tansania – die Projekte sind vielfältig und werden je nach Entsendeorganisation europa- oder weltweit angeboten. Im Vordergrund eines FWD stehen interkulturelles Lernen und Austausch. Aufnahmeorganisation und Freiwillige lernen von- und miteinander. Die Bundesregierung schreibt mit den Programmlinien „Weltwärts“ entwicklungspolitische FDWs sowie mit „Kulturweit“ FWDs im Bereich auswärtige Kultur- und Bildungspolitik aus. Daneben gibt es auch den europäischen Freiwilligendienst und den internationalen Jugendfreiwilligendienst. Generell richten sich die Angebote an junge Menschen im Alter von 18 bis 27 Jahren.

Trägerorganisationen

Die Bewerbung findet direkt bei der deutschen Trägerorganisation statt, welche mit Kontaktorganisationen im Ausland zusammenarbeitet und die Freiwilligen vermittelt sowie betreut. Wer das oft mehrstufige Bewerbungsverfahren erfolgreich durchlaufen hat, erhält eine Unterkunft, Verpflegung, Reisekosten, Versicherung und Taschengeld für die Zeit des FWDs. Einige Trägerorganisationen raten ihren Freiwilligen zum Aufbau eines Spenderkreises, der den/die Freiwillige mit bis zu 150 Euro monatlich unterstützt. So wird ein Teil der Kosten gedeckt. Daneben nehmen Freunde, Verwandte, Stiftungen und Unternehmen über regelmäßige Projektberichte auch aktiv an den Erfahrungen der Freiwilligen teil. Der Besuch mehrtägiger Vor-, Zwischen- und Nachbereitungsseminare ist verpflichtend und bietet die Möglichkeit, sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen.

Auslandspraktikum während des Studiums

In vielen Studiengängen wird ein Auslandspraktikum befürwortet oder ist fester Bestandteil des Curriculums. Ein Praktikum während des Studiums ist spezifischer auf Inhalte ausgerichtet und verlangt oftmals die Übernahme von Verantwortung in Form eines eigenen Teilprojektes. Dreimonatige Praktika in Afrika, Asien und Lateinamerika werden über das ASA-Programm angeboten. Ähnlich wie FWD sind diese Praktika vollfinanziert und beinhalten eine intensive Vor- und Nachbereitung. Teilnehmer / innen sind zwischen 21 und 30 Jahre alt und studieren an einer Universität / Fachhochschule oder haben bereits einen ersten Studienabschluss. Im Bereich Entwicklungszusammenarbeit kann auch über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein drei- bis sechsmonatiges, bezahltes Praktikum im Ausland absolviert werden. Weitere Praktikamöglichkeiten bieten die Goethe-Institute zur Förderung deutscher Sprache und Kultur, die deutsche Handelskammer und zahlreiche internationale und nationale Nichtregierungsorganisationen an. Für letztere kann über das Promos-Programm der deutschen Hochschulen oder den DAAD ein Stipendium beantragt werden.

Weitere Infos:

Reisestipendien:

www.zis-reisen.de
http://schwarzkopf-stiftung.de/awards/reisestipendien/

Freiwilligendienste:

www.weltwaerts.de
www.kulturweit.de
www.go4europe.de
www.internationaler-jugend-freiwilligendienst.de

Praktika im Ausland:

www.asa-programm.de
www.goethe.de/uun/bew/gia/pkt/deindex.htm
www.giz.de/de/jobs/444.html

Work & Travel:

www.work-and-travel.co

Text & Foto: Anne Kukuczka

  • Herausgeber:
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