Dual… einfach genial

Handwerk hat goldenen Boden, so lautet zumindest ein kluger Spruch. Vielleicht verwirklichst du dich aber viel besser in einem sozialen Beruf? Oder willst du lieber die Hightech von morgen konstruieren, Kunst studieren oder Schülern und Studenten dein Wissen weitergeben? Der Start ins Berufsleben hält eine Unmenge an Möglichkeiten bereit. Was man einmal werden will, ist dabei aber nicht die einzige Frage. Auch der Ausbildungsweg will wohl überlegt sein. Wer meint, die Entscheidung würde nur  zwischen „klassischer“ Berufsausbildung und Studium fallen, liegt weit daneben. Denn schon in puncto Ausbildungsberuf gibt es zwei unterschiedliche Ausbildungsarten.

Dual oder schulisch: Zwei Wege führen zum Ausbildungsberuf

Wer von Berufsausbildung hört, dem kommt sicher der „klassische“ Weg in den Sinn, der in Deutschland nach dem dualen Prinzip funktioniert. Dual deshalb, weil die praktische Ausbildung in dem Betrieb stattfindet, mit dem man seinen Ausbildungsvertrag geschlossen hat, die Theorie hingegen wird in einer Berufsschule vermittelt. Die Unternehmen gewinnen so Mitarbeiter mit der für sie optimalen Qualifikation. Und die Berufseinsteiger haben die Chance, ihren zukünftigen Arbeitgeber kennenzulernen und von sich zu überzeugen. Zukünftige Bäckerinnen und Bäcker z.   B. trainieren ihre Fertigkeiten unter Anleitung ihres/ihrer Bäckermeisters/in in ihrer Backstube. Bürokaufleute in spe wirken schon fleißig im Geschäftsalltag ihrer Ausbildungsfirma mit.

Ein wenig anders gestaltet sich das Prinzip der schulischen Ausbildung an einer Berufsfachschule. Einen Ausbildungsbetrieb gibt es hier nicht – Schulbankdrücken mit vorwiegend hypothetischen Aufgabenstellungen steht deshalb im Vordergrund. Die schulische Ausbildung ist eine interessante Alternative zur betrieblichen Ausbildung, da in vielen Branchen zusätzliche Ausbildungsplätze angeboten werden. In einigen Bereichen wie etwa im Gesundheits- und Sozialwesen ist sie meist sogar die einzige Möglichkeit. Wer sich für den Karriereweg über eine Berufsfachschule entscheidet und sich dort bewirbt, kann heute unter einer Vielzahl an Ausbildungen wählen. Die Palette reicht dabei von Berufen im Gesundheitswesen über die Assistentenausbildung bis hin zu technischen, kaufmännischen, künstlerischen und sozialen Berufen. Es sollte lediglich darauf geachtet werden, dass der angestrebte Abschluss in allen Bundesländern anerkannt wird. Auch wenn es keinen Ausbildungsbetrieb gibt – „unpraktisch“ ist eine schulische Ausbildung nicht. Denn fast immer stehen Praktika auf dem Plan und in einigen Fällen – wie beispielsweise bei Erzieherinnen und Erziehern – ist auch ein sogenanntes Anerkennungsjahr Pflicht.

Und noch ein Tipp am Rande: Manche Handwerksberufe wie zum Beispiel Geigenbauer oder Steinmetz sind heutzutage derart selten geworden, dass sich nur sehr schwer ein Ausbildungsbetrieb finden lässt. Wen solch ein Beruf interessiert, der sollte die Angebote spezieller Berufsfachschulen nutzen.

Egal ob dual oder schulisch – je nach Beruf dauert eine Ausbildung in der Regel zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. Wer einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb abschließt, bekommt in dieser Zeit eine mehr oder weniger üppige Ausbildungsvergütung. Diese gibt es bei einer Ausbildung an einer Berufsfachschule nicht. Hier müssen unter Umständen sogar Schulgebühren berappt werden. Um sich trotzdem seine Brötchen leisten zu können, haben die Schüler die Möglichkeit, BAföG zu beantragen.

Professor Dr. Dr. Ing. – Das Studium für die Akademiker von morgen

Die große Forscherkarriere, das Lehramt oder ein Posten in den oberen Etagen multinationaler Unternehmen setzen hingegen oft den Besuch einer Hochschule voraus. Mit dem entsprechenden Schulabschluss in der Tasche, stehen den Akademikern von morgen die Türen der Universitäten und Fachhochschulen offen. Während Letztere schon einen gewissen Bezug zur Praxis herstellen, steht an Universitäten wissenschaftliches Arbeiten im Vordergrund.

Von A wie Afrikanistik bis Z wie Zahnmedizin – die Auswahl möglicher Studienrichtungen ist riesig. Lange Semesterferien, Studentenpartys und Flexibilität bei der Zusammenstellung des Stundenplanes – wen lockt das nicht? Doch so viel Freiheit hat ihren Preis. Einen Ausbildungsbetrieb gibt es nicht. Für das finanzielle Auskommen muss der Student also selbst sorgen. Und wenn die Zuwendungen der Eltern oder des BAföG-Amtes nicht reichen, dann vermiesen nicht nur Seminararbeiten die langen Semesterferien, sondern auch noch der eine oder andere Nebenjob.

Studium, Beruf oder sogar beides!

Wäre es da nicht super, wenn man fürs Studium Schützenhilfe vom zukünftigen Arbeitgeber erhält? So etwas gibt es tatsächlich und heißt duales Studium. Dies ist hauptsächlich die Domäne der Berufsakademien (BA). Doch auch so manche Fachhochschule (FH), diverse Universitäten, Verwaltungsakademien und Wirtschaftsakademien bieten einige der fast 1.000 dualen Studiengänge an.

Die Hochschulen übernehmen dabei die theoretische Ausbildung während das Unternehmen, mit dem man vorab einen Ausbildungsvertrag abschließt, als Praxispartner fungiert. Dieser sorgt nicht nur für die praktische Ausbildung, sondern zahlt auch eine Vergütung und trägt eventuelle Studiengebühren. Wer mit einem dualen Studium liebäugelt, hat drei Arten zur Auswahl. Das ausbildungsintegrierende, das praxisintegrierende und das berufsintegrierende duale Studium. Letzteres dient meist der beruflichen Weiterbildung. Bei der praxisintegrierenden Variante (an den BAs) wechseln im 12-wöchigen Rhythmus die Theorie- und Praxisphasen, die inhaltlich aufeinander abgestimmt sind. Das Studium schließt i. d. R. mit dem Bachelor-Grad ab. Der Studierende der ausbildungsintegrierenden Variante (kooperatives Studium an FHs) absolviert gleichzeitig ein Hochschulstudium und eine Berufsausbildung und hat innerhalb von vier bis fünf Jahren zwei Abschlüsse in der Hand: einen in einem anerkannten Ausbildungsberuf und einen Hochschulabschluss.

Eine tolle Sache. Wo ist der Haken? Der macht sich vor allem bei der Freizeit bemerkbar. Als Angestellter des Praxispartners kommt ein Student nicht in den Genuss von Semesterferien. Er nimmt seinen Urlaub während der Praxiszeit. Und da Betrieb und Hochschule selten nah bei­einander liegen, ist alle drei Monate ein Ortswechsel nötig. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, der wird während des Studiums fit für seinen späteren Arbeitsplatz gemacht. Anders als beim klassischen Studium hat das duale Studium einen sehr starken Praxisbezug.

„Ich habe bereits ein Studium an der TU begonnen und feststellen müssen, dass ich nicht der Theoretiker sein möchte, den die Uni versucht hat auszubilden“, erzählt Susi Sommer. Die Studentin der Informationstechnik an der BA Dresden fügt hinzu: „Ich bin ein pragmatischer Mensch und möchte neu Erlerntes anwenden können. Das geht in einem dualen Studium natürlich am besten und der Praxisschock in Folge bleibt aus.“ Auch für Ralf Ratzmann zählt der Praxisbezug. „Ich stand mitten im Beruf und hatte trotzdem den Wunsch, mich weiterzuentwickeln.“ Er hat bereits zwei Drittel seines Studiums der Richtung Rehabilitation an der BA Thüringen absolviert und ist von dieser Art zu studieren überzeugt. „Das duale Studium bietet mir die Möglichkeit eines akademischen Abschlusses, ohne Kontaktverlust zum Arbeitsalltag.“

Und wie sieht es mit dem Anspruch des Studiums aus? „Ein duales Studium ist vom Anspruch her gänzlich anders als ein Universitätsstudium. Aber nicht minder anstrengend.“ Das weiß Susi Sommer aus eigener Erfahrung. „Die Lerninhalte sind straff durchorganisiert, zum Ausruhen bleibt keine Zeit. Das Gelernte muss sofort aufgearbeitet werden, sonst schafft man das später nicht mehr. Das habe ich an der Uni anders kennengelernt.“

Dem pflichtet auch Ralf Ratzmann bei. „Das duale Studium ist in jedem Fall zeitaufwendiger aber strukturierter. Inhalte müssen in kurzer Zeit erfasst und verinnerlicht werden, um sie praktisch anzuwenden. Beim dualen Studium gibt es keine Möglichkeit, etwas auf die lange Bank zu schieben. Es wird ein hohes Maß an Eigendisziplin gefordert.“ Semesterferien hin, Selbstdisziplin her – einen nicht unwesentlichen Vorteil bringt das duale Studium quasi schon von Hause aus mit. Unternehmen investieren damit in ihre Nachwuchsführungskräfte und wenn man am Ball bleibt und gute Leistungen erbringt, sollte einer späteren Übernahme nicht viel im Wege stehen.

  • Duale Berufsausbildung
    +  geregeltes Einkommen während der Ausbildung
    +  sehr praxisorientiert
    +  schneller Berufseinstieg
    +  bei guten Leistungen häufig gute Übernahmechancen
    –  Aufstiegschancen im Beruf meist begrenzt
  • Schulische Berufsausbildung
    + manche Berufe lassen sich nur an Berufsfachschulen erlernen
    + breites, nicht auf einen einzelnen Ausbildungsbetrieb fixiertes Wissen
    – Einkommen muss über die Eltern oder BAföG gesichert werden
    – unter Umständen wird Schulgeld fällig
    – weniger praxisorientiert
  • Duales Studium
    + geregeltes Einkommen während der Ausbildung
    + sehr praxisorientiert
    + Bachelor- und Berufsabschluss können parallel erworben werden
    – keine Semesterferien
    – Arbeitgeber und Hochschule erwarten gute Leistungen
    – für akademische Laufbahn (Forschung, Lehre) weniger geeignet
  • Klassisches Hochschulstudium
    + beste Voraussetzung für eine akademische Laufbahn (Forschung, Lehre)
    + „Studentenleben“ (Semesterferien, Auslandssemester, flexible Zeiteinteilung)
    – Einkommen muss über die Eltern, BAföG oder einen Nebenjob gesichert werden
    – kaum praxisorientiert

Kai Dürfeld, März 2015

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